Moderne Architektur und innovative Gebäudetechnik für maximale Energieeffizienz gehören zusammen – das ist das Credo von Norbert Fisch, Professor für Bauphysik und Gebäudetechnik an der TU Braunschweig. „Mit seinem EnergiePLUS-Konzept hat Prof. Fisch entscheidende Impulse für das nachhaltige Bauen in Deutschland geliefert“, so Thomas Sapper, Vorstandsvorsitzender der DFH Deutsche Fertighaus Holding AG. Bereits 2009 baute Prof. Fisch ein Einfamilienhaus im EnergiePLUS-Standard, das in einem dreijährigen Monitoring auf ganzer Linie überzeugte.

Niedrigenergiehaus, Passivhaus, Nullemissionshaus – es gab in den vergangenen Jahren viele Ansätze für energieeffiziente Gebäude. „Immer jedoch mit kleinen Schönheitsfehlern. Meist blieb etwa die im Gebäude verbaute graue Energie unberücksichtigt“, erläutert DFH-Chef Sapper. „Oder langfristig anfallende Kosten blieben außen vor.“

Um mit Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Bausektor wirklich ernst zu machen, plädiert Prof. Fisch für das „Cradle to Cradle“-Prinzip: Von der Wiege bis zu Bahre sei der gesamte Energieaufwand für ein Gebäude zu berücksichtigen, nicht nur der Verbrauch für Wärme, Warmwasser und Haushaltsstrom während der Nutzungsphase. Bei seiner ganzheitlichen Betrachtung geht Fisch von einem 50-Jahre-Gebäude-Lebenszyklus aus: „Der EnergiePLUS-Standard ist erreicht, wenn die aus erneuerbaren Energien exportierte Primärenergie größer ist als der Primärenergieverbrauch zur Instandhaltung, zur Sanierung und zum Rückbau des Gebäudes.“

Photovoltaik bringt die Eigenversorgung voran

In puncto Energieversorgung macht sich Fisch, der lange als deutscher „Solarthermie-Papst“ galt, für ganzheitliche Lösungen mit Solarstrom stark: „Strom ist heute die alles entscheidende Energieform im Gebäudesektor. Mit Strom lässt sich das Haus, dessen gesamte Kommunikation und die Mobilität seiner Bewohner effizient betreiben“, so Fisch. „Wenn Sie die Gebäudeenergie zu 100 Prozent regenerativ gewinnen wollen, dann kann die heute im Neubau noch sehr verbreite Solarthermie nicht mithalten. Die Speicher, die Sie für dieses Ziel bräuchten, wären viel zu groß.“ Bei der Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien habe Solarstrom daher eindeutig die Nase vorne. „Er lässt sich wirtschaftlich konkurrenzfähig zum Netzstrom durch gebäudeintegrierte Photovoltaik erzeugen und durch Wärmepumpen und Kältemaschinen zur Wärme- sowie Kälteversorgung von Gebäuden nutzen.“

Praxistest belegt Wirtschaftlichkeit

Bereits 2009 baute Prof. Fisch ein Einfamilienhaus im EnergiePLUS-Standard, um seine Vorstellungen vom energetisch optimierten Haus in der Praxis auszuprobieren. Unterm Strich brachte ein dreijähriges Monitoring des EnergiePLUS-Wohnhauses „Berghalde“ in Leonberg-Warmbronn folgende Erkenntnisse: Der EnergiePLUS-Standard ist in neu errichteten Einfamilienhäusern bei Einhaltung der normativen Planungs- und Ausführungsvorgaben gut erreichbar. Der finanzielle Mehraufwand rechnet sich zudem: Mit einer nachgewiesenen Amortisationsdauer zwischen 10 und 15 Jahren ist der EnergiePLUS-Standard für Bauherren wirtschaftlich attraktiv.

Trotz des Erfolgs seines EnergiePLUS-Konzepts sieht Prof. Fisch noch Verbesserungsbedarf – vor allem bei der Haustechnik. „In der Regel haben Planer und Bauherren eines EnergiePLUS-Einfamilienhauses es mit rund acht Herstellerfirmen entscheidender technischer Systemkomponenten zu tun. Eine „Überautomatisierung“ drohe. „Wenn der Handwerker am Ende der Innovationskette nicht mehr versteht, was er einstellen muss, um die Anlage in Gang zu bringen, ist mehr verloren als gewonnen“, so Fisch. So einfach wie möglich – das bleibe daher die goldene Regel. Noch gebe es nur wenige Komplettsysteme, deren Bedienung sowohl Handwerkern als auch Bewohnern sofort einleuchte.

Plattform für innovatives und nachhaltiges Bauen

Prof. Norbert Fisch gehört neben weiteren führenden Experten des deutschen Bauingenieurs- und Architekturwesens zum Netzwerk „Masterplan Haus 2050“. Die von der DFH ins Leben gerufene Plattform fördert den offenen Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um das innovative und nachhaltige Bauen in Deutschland voranzutreiben. Ergänzend zu der Buchveröffentlichung „Masterplan Haus 2050“ stellt die Plattform im Internet unter www.haus-2050.de bereits umgesetzte Projekte, neue Lösungsansätze sowie laufende Forschungskooperationen vor.